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ELLIPSEN

Die künstlerische Serigraphie in Ungarn haben wir, die Mitglieder der späteren Pester Werkstatt im Jahr 1968 eingeführt. Unsere erste gemeinsame Siebdruck-Mappe stammt aus dem Jahr 1968 ( mit Valkyd gefertigt von Bak, Fajó, Nádler, Molnár ).

Schon in dieser unseren ersten Mappe haben wir gespürt - geahnt, dass die aus mehrerer Hinsicht lebenswichtige Bedeutung dieser graphischen Vervielfältigung, und einige waren schon in dieser Mappe zu erkennen, uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Lebenswichtig war für uns die farbige Vervielfältigung - auch in gesellschaftlicher Hinsicht (wir waren ja Maler - keine Graphiker) weil jene Drucke uns halfen unsere Persönlichkeit, Form - und Farbwelt zu entwickeln. Unsere künstliche Isolation wurde aufgelöst, denn durch diese Werke konnten wir der Welt, jenseits des eisernen Vorhangs, auf der graphischen Biennale ein Lebenszeichen von uns geben. Alle Ereignisse der kosmischen Welt spielen sich aufgrund geometrischer Gebilde ab.

Alle Materialien besitzen ihre eigene Bewegungsform, die geometrisch wie folgt zu beschreiben sind:
Wellen, Schnecken, Spiralen, Ellipsen, usw..Das Licht pflanzt sich in Wellen fort, die Planeten und Sterne kreisen in Ellipsen durch bestimmte innere Gesetzmäßigkeiten. Im Bogen des Raumes exsistieren keine Geraden. Die Gerade - genauso wie der rechte Winkel - ist Fiktion, bloßes geometrisches Axiom. Uns Maler interessieren nur die Formen und Farben aus den Materialen und Gegenständen dieser Welt.Wir trennen sie ab, wir erforschen sie und arbeiten mit ihnen, weil dies unser Fachgebiet ist. Ich fühlte mich schon immer durch die aus dem Kreis abgeleiteten Formen angezogen: Die Wellen, die Biskotte, die bogenförmigen Kompositionen ( aus denen auch der menschliche Körper aufgebaut ist ). Die Ellipse ist ein aus dem Kreis abgeleiteter, geometrisch zweidimensionaler Raum, zusammengestellt aus fortlaufend verschiedenen Kreisbögen. Auf der Fläche der Kreis, im Raum die Kugel, die Ellipse sowie das Ei sind unsere bevorzugten menschlichen Grundformen ( im Gegensatz zum eckigen Quadrat und dem noch eckigeren Dreieck ).Uns Männern liegen die Kugelformen sowieso im Blut, ziehen uns an, sind die Objekte unserer Begierde, weil wir biologisch auf Kugeln abgestimmt sind. Unsere Augen und Handflächen hungern immer und ewig danach. Unsere Handflächen fühlen sich leer an, sogar wenn sie voll sind - deshalb bewegen wir sie über solche Formen, und aus dieser Bewegung wurde das Streicheln geboren. Und das-gestreichelt-werden belebt den Geist der Frauen.

Die Kunst ist eine empirische, gefühlvolle Tätigkeit. Durch das Schauen und Betasten entwickelt sich  unser Formgefühl und dadurch tanken wir Lebensenergie und Liebe zum Leben auf. Das Streicheln drückt unser Verlangen nach visueller Ästhtik, nach Schönheit, nach Harmonie, nach Mediation, Ruhe und Stille aus ( ein Paradoxon der Dinge, denn diese attraktiven Formen sind die Streitsüchtigsten, die Allerlautesten). Ich weiß aus mehrerer jahrzehnte langer pädagogischer Erfahrung , daß die Knaben ein besseres Ballgefühl, einen besseren "Kugelsinn" besitzen, und somit auch für Formen. Die Mädchen hingegen weniger - sie sind mehr auf lange, walzenförmige Dinge abgestimmt. Der Mensch ist sich dessen gar nicht bewusst wie wichtig psychische Ernährung ist - das Wohlgefallen an die Formen - auch wenn man Sex außer acht lässt. Man sollte weniger essen und mehr schauen, betrachten, streicheln, anfassen - um das seelische Gleichgewicht zu behalten .Von Anfang des 20. Jahrhunderts an - mit der Motorisierung - verringerte sich unser Kontakt mit den Tieren völlig. Es fehlt der Kontakt zu unseren Freunden- den Tieren: mit den Katzen, den Hunden, den Pferden und mit anderen liebenswerten Geschöpfen. Dieser Mangel kann der Grund sein für viele mental-hygienische Krankheiten. Es ist kein Zufall, daß die Naturvölker instinktiv spüren wie wichtig der Kontakt mit den Naturgeschöpfen ist.

Die Ellipse reizte mich schon immer an in all ihren Formen und Materialien - im Holz,
im Stein, im Fleisch. Meine Ideale waren die Frauen mit "Eiergesicht" und "Schwanenhals" - ebenso wie für Boticelli oder für Piero della Francesca.  Ich weiß wie schwierig die Umsetzung der einfachen Ellipse auf die Fläche ist.Trotzdem reizt es mich, regt es mich an, stimuliert mich das Komponieren dieser schlauen und rätselhaften ebenen Kurve. Ihre geometrische "Anatomiestruktur" ist verwickelt, mit ihr ist es schwer die Verknüpfung der Formen zu enthüllen - diese offenbaren sich aber erst ( bewegend - schneidend - variirend ) beim Komponieren. Doch habe ich mit Vergnügen die Ellipse aus den bestehenden Kompositionen geschöpft.

Die Siebdruck-Technik verleiht dieser Papierwerke eine außergewöhnliche Lieblichkeit. Das aufs Papier gedruckte Werk unterscheidet sich von der aufs Leinen gemalte Bild. Diese Serigraphien sind für diese Art geplant - keine von Bildern abgefertigte Graphik. Die in dieser Kunstart enthaltenen Möglichkeiten wurden wie folgt ausgeschöpft: In der Variabilität, in der absolut perfekten Oberfläche, in der beweglich reinen Homogenität, in den vollkommen satten Farben und Farbenkontrasten, in der steinharten Harmonie, in den raffinierten Proportionen und Linien ( solche zauberhafte Linien kann man nicht mal mit Acryl malen). Die Serigraphie ist eine farbenfrohe, "klingende - singende", fröhliche, spielerische, jugendhafte Kunstart. Der menschliche Geist - wie jetzt in derFrühlingszeit - sehnt sich wie der Körper nach dem wärmenden Sonnenschein oder nach einer Schüssel frischer, knackiger Salate.

Acht Jahre lang habe ich keine Siebdrucke gemacht - ich ahnte nicht mal wie sehr ich es vermisst hatte. Jetzt mit neuem Schwung und fröhlich gestimmt, habe ich diese spielerischen, aus der Serigraphie empfangenen Gedanken zustande gebracht, die ich jetzt  in dieser Mappe geordnet - statt Ostereiern - meinen Freunden überreiche.


Ostern 2005                                                                        János Fajó
 

 

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