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Biografie
 


1937 geboren am 9. Februar, im Zeichen des Wassermanns in Orosháza, Ungarn. Der Vater war Zuschneidemodelleur in einer Schuhfabrik, die Mutter arbeitete in einer Textilfabrik. Vom Vater erbt er Sensibilität, Offenheit und Kreativität, von der Mutter Realismus, Nüchternheit und hohe Leistungsfähigkeit.

1938 Die Familie zieht nach Békéscsaba.

1939 János und seine Schwester Ilona werden in den Kindergarten geschickt; János reißt aber bereits am ersten Tag aus.

1944-52 Seine Lehrer versuchen, ihm seine Linkshändigkeit abzugewöhnen, was in ihm große Abneigung gegen seine Lehrer hervorruft.

1945 Geburt des Bruders András.

1947-53 János hilft im Geschäft des Vaters für Schusterzubehör. Er ist ein höflicher und hilfsbereiter Junge und ein ausgezeichneter Kopfrechner. In der 5. Klasse fällt er im Zeichnen durch. Den Sommer über übermalt er die verblaßten, Schusterlehrlinge darstellenden  Schaufensterpuppen, macht die ihm von der Schule aufgetragenen Zeichnungen und holt anschließend die nicht bestandene Prüfung nach. Die Schuhmacher mögen ihn und nennen ihn "Herr Geschäftsführer"
Seine Kindheit ist glücklich und unbeschwert. Er ist offen für Spiele und versucht sie zu verstehen und zu ergründen. János treibt viel Sport (Schlittschuhlaufen, Tischtennis) und gründet eine Fußballmannschaft.

1951 Geburt der Schwester Éva.

1950-56 Er besucht in Békéscsaba den Kreis für bildende Kunst. Fajó ist ein begeisterter Schüler und Assistent des vielseitig gebildeten Pädagogen József Mokos.

1956 Abitur: Die qualvollen Schuljahre sind beendet! Fajó interessiert sich nur noch für das Zeichnen und Malen.


1956-61 Studium an der Budapester Akademie für Angewandte Kunst, Fachrichtung Dekorationsmalerei. Professoren: Lajos Szentiványi, György Z. Gács und Gyula Hincz. Diplom mit Auszeichnung. Während des Studiums assistiert er den Professoren bei der Ausführung ihrer Wandmalereien.

1961-65 Fajó arbeitet eng mit dem Rektor der Hochschule, Gyula Hincz, zusammen, bei dem er auch wohnt. Zwischen ihnen entwickelt sich ein väterlich-freundschaftliches Verhältnis. Am Abend stechen sie Kupferstiche in der Grafikwerkstatt der Akademie. So kommt Fajó mit der Grafik in Berührung. Gleichzeitig wird er durch die breite Bildung von Gyula Hincz sehr angeregt und gefördert; Von ihm hört er zum ersten Mal den Namen Lajos Kassák.

1963 beide gehen von der Hochschule ab. Fajó ist seit 1961 Mitglied des Klubs der Jungen Künstler; hier organisiert er Ausstellungen. Im Klub trifft er seine spätere Frau.

1964 Fajó wird in die Leitung der Kunstvereinigung " …" aufgenommen. Parallel studiert er Ästhetik, Kunsttheorie und Philosophie.

Ab 1964 ist er Schüler und Assistent von Lajos Kassák bis zu dessen Tod im Jahre 1967. Fajó besucht Kassák  regelmäßig in dessen Wohnung. Er spannt Leinwände, übermalt, unterschreibt, wählt aus und ordnet Kassáks Lebenswerk. Es findet ein intensiver Dialog und geistiger Austausch statt. In dieser Zeit geht Fajó keiner anderen Arbeit nach. Als ‚sozialistischer Clochard' lebt er von Stipendien und den Paketen der Eltern.
In dieser Zeit entwickelt sich in der bildenden Kunst Ungarns der Widerstand gegen den sozialistischen Realismus. Die Künstler lehnen sich auf gegen die Vorgaben und Kontrollen der kommunistischen Regierung im hermetisch abgeschotteten Ostblock. Fajó lehnt eine staatlich kontrollierte sozialistische Kunst ab. Er und seine Künstlerkollegen organisieren Konferenzen, melden sich an öffentlichen Foren zu Wort. Fajó hält 1965 einen 12 Seiten langen Vortrag unter dem Titel "…", den Kassák lektorierte.
Fajó malt zuerst in einer unbeheizten Garage, später in einer Waschküche. Fajó lebt und ißt bei Professor Lajos Szentiványi. Diese Jahre haben einen prägenden Einfluß auf seine Persönlichkeit und seine künstlerische Entwicklung.

1965 Fajó organisiert die Kassák-Ausstellung im Klub Junger Künstler. Aus diesem Grund wird der Klub von den Behörden aufgelöst und geschlossen.

1966 Heirat mit der Chemikerin Ágnes Hajós. Sie ziehen in die Atelierwohnung in der Dózsa György Str. 17 ein.
Fajó arrangiert die Ausstellung des Studios Junger Künstler ‚66', er stellt die einzelnen Richtungen in getrennten Sälen aus. Zum ersten Mal werden in Budapest abstrakt-geometrische Werke ausgestellt. Beim Besuch der Austellung stellte Kassák lächelnd fest: "Páczay, Bernáth und ihre Schule nehmen an ihrem eigenen Begräbnis teil, denn die jungen Künstler malen nicht mehr so, wie ihre Lehrer es wollten".

1967 In der Leitung des Studios gewinnen die Reformer die Mehrheit. Die staatliche-politische Kunst-Kontrolle erleidet eine Niederlage. Auf das Verlangen der "Kunst-Berufsmafia" hin verbietet die Zensur mehr als der Hälfte der Mitglieder des Studios die Teilnahme. Die Leitung des Studios wird abgelöst. Drei Mitgliedern des Studios - darunter auch Fajó - droht Gefängnis. Fajó wird endgültig auf die schwarze Liste gesetzt und erhält Ausstellungsverbot. Er kann 7 Jahre nichts ausstellen und verkaufen. Er verdient nichts und seine Frau hält ihn aus. Fajó hilft Kassák bei einer von diesem selbst finanzierten Ausstellung. Dabei lernt er Makris Agamemnon kennen. Dank der Protektion des von den ungarischen Kulturbehörden hochgeschätzten griechischen Künstlers können Fajó und seine Freunde mit einer Sondergenehmigung des Kultusministers an der Jubiläumsausstellung des Studios ‚68' teilnehmen.
Fajó lernt neue, gleichgesinnte Malerkollegen kennen: Imre Bak, Tibor Csiky, Tamás Hencze, Ilona Keserü und István Nádler.

1967-71 Man trifft Fajó häufig im Fészek Künstlerklub. Er organisiert Ausstellungen. Nach seiner ersten Einzelausstellung im Jahre 1970 wird auch dort zur persona non grata. Sein unruhiger, reformerisch und kompromißloser Charakter stößt beim ungarischen Kulturestablishment auf Ablehnung.

1967 Fajó, Bak, Sándor, Molnár und Nádler geben ihre erste Serigraphie-Mappe heraus. Die Künstler Csiky, Bak und Fajó in Budapest und Ferenc Lantos und Ferenc Romváry in Pécs bilden eine lose künstlerische Bewegung.

1968 Fajó bekommt endlich die Möglichkeit, mit 70 US Dollar in der Tasche, in den Westen zu reisen. Mit Kassáks Witwe bereist er Westeuropa. Auf dieser Reise schließt er drei für ihn wichtige Bekanntschaften: In Basel lernt er Carl László, in Paris Victor Vasarely und auf der Biennale für konstruktivistische Kunst in Nürnberg lernt er Max Bill kennen.
Carl László kauft zwei Temperabilder und bestellt zwei Ölbilder von ihm, die Fajó in Paris, bei seinem Freund Béla Birkás malt. In Basel schließt er lebenslange Freundschaft mit Gábor Emödi, György Darányi und dem Galeristen Miklós Bartha.
Fajó und seine Malerkollegen, die erste freie Künstler-Generation nach dem Krieg, treffen sich und arbeiten in Klubs und Kulturhäusern. Ihnen schließen sich einige aufgeschlossene ältere Kollegen, die ebenfalls von den offiziellen Kulturbehörden abgelehnt wurden, Dezsö Komiss, György Baksa Sós, Ferenc Laborcz, Tihamér Gyarmathy, der in Paris lebende Béla Birkás und der nur noch mit seinen Werken anwesende Lajos Kassák, an.

1969 Die Künstlergruppe verwirklicht ihre erste Ausstellung "Bewegung 70". im Museum in Pécs. Die Ausstellung wird sofort geschlossen.

1970 Fajó nimmt am Internationalen Symposion für Grafik in Soest/Deutschland teil, wo er sich die professionelle Serigraphie-Technik aneignet.
Im Rahmen der Ostpolitik erhält die Künstlergruppe Fördermittel aus der Bundesrepublik, inbesondere durch Dieter Honisch, Siegfried Salzmann, Jürgen Weichardt und die Künstler K.G. Pfahler, Thomas Lenk, Eric Hauser und dem in Düsseldorf lebenden Imre Kocsis.

1974 Um aus der Isolation auszubrechen, versuchen ungarische Künstler an internationalen Graphik-Biennalen teilzunehmen. Neben der Technik brauchen sie dazu eine eingerichtete Werkstatt. Die Künstlergruppe um Bak, Fajó, Hencze, Keserü, Nádler, András Mengyán mietet einen heruntergekommenen Kohlenkeller und verwandeln ihn eigenhändig in eine Siebdruckwerkstatt. Es entsteht das "Pesti Mühely" (Pester Werkstatt), die erste freie, private Grafikwerkstatt. Die dort gedruckten Siebdrucke wurden in den Westen geschmuggelt und konnten so an westeuropäischen Ausstellungen teilnehmen, wie z.B. in Wien, Rottweil, Bonn, Frechen und Oldenburg.

1975 Fajó gibt eine Katalogmappe zu Kassáks zweiter Ausstellung mit dem Titel "6 Bildarchitekturen" heraus. Das ist der Anfang der Verlagstätigkeit des "Pesti Mühely", das neue künstlerische Ausdrucksformen und neue Einnahmequellen eröffnete.

1976 Mit Unterstützung von László Fábian und des Instituts für Volksbildung wird ein Ausstellungsraum in der Josefstadt (Józsefvárosi Kiállitóterem), die erste Werkstattgalerie ohne staatliche Aufsicht, unter der Leitung von Fajó eröffnet. Die Ausstellungen werden selbst, ohne staatliche Kuratoren organisiert. Die Galerie stellt vorwiegend Maler der Gruppe der sogenannten "tolerierten" Künstler aus, ist aber auch für andere offen. Die erste "Plastiktütenausstellung" wird organisiert und auch der Würfel von Ernö Rubik wird hier zum ersten mal vorgestellt. Das Profil der Galerie erstreckt sich von der experimentellen Kunst bis zum Design. Hier stellen die deutschen konkreten Künstler, die finnische Gruppe Dimension, Tschechen, Ostdeutsche, Polen, Russen, Österreicher, Engländer und Italiener aus. Der Ausstellungsraum wird zu einem internationalen Forum.
Im Sommer 1976 ist Fajó künstlerischer Leiter der "Freien Schule" von Telkibánya. Hier unterrichten Pál Deim, József Bányi und bis zu seinem Tod auch Csiky. Die Schule steht unter dem Schutz des dortigen Polizeihauptmanns, der künstlerisch interessiert war und seinerseits Kupferstiche verfertigte.

Die graphische Werkstatt "Pesti Mühely", in der die Plakate, Mappen und Künstlerdrucke entstanden, die "Freie Schule", in der sich Talente zeigen konnten, und der Ausstellungsraum in der Josefstadt, in dem all das vorgestellt werden konnte, bilden den Hintergrund und die Basis für die organisierten Symposien der Künstlergruppe.

1976-80 Um sich weitere Techniken zu erschließen verbringt die Gruppe jedes Jahr einen Monat in den RÁBA-Werken von Györ. Dies ist der eigentliche Beginn der Bildhauertätigkeit von Fajó. In diesen Jahren finden auch Symposien für Grafik in der Knerr-Druckerei von Békéscsaba und Workshops für Metallbearbeitung im MEZÖGÉP-Betrieb (Betrieb für Landwirtschaftliche Maschinen) statt.

1977 "Pesti Mühely" beginnt mit der eigentlichen Produktion von Drucken. Bis 1984 in Zusamamenarbeit mit staatlichen Stellen, nachher in eigener Regie. Es entstehen die Mappen mit Werken aus den 20er Jahren von Kassák, ungarischer Meister und russischer Konstruktivisten aus den 20er Jahren, später von Victor Vasarely, Nicholas Schöffer, Max Bill, Karl Gerstner, Bak, Nádler, Mengyán, Pfahler, Josef Linschinger, Tamás Konok und Fajó. Das "Pesti Mühley" wurde zur Einnahmequelle, um das Geld für Farben, Leinwand etc. durch Drucke zu verdienen.
Ein Teil der im Ausstellungraum ausstellenden Künstler und das "Pesti Mühely" kommen aus der Freien Schule von Fajó und Csiky: Éva Bányász, Tamás Boros, János Szász, Gábor Heritész, Lajos Klicsu und Tibor Budahelyi.

1980 Keserü, Nádler und Mengyán verlassen das Pesti Mühely.

1982 Fajó übernimmt das Pesti Müely. Die Feuerwehr schließt die Werkstatt in der Benczúr Straße; Umzug in die gemieteten Räume in der Zugló Straße.

1984 Tod des Vaters.

1985 Arbeitsverhältnis und Freundschaft zwischen Max Bill und Fajó. Das Pesti Mühely gibt eine Mappe mit Graphiken von Max Bill heraus. Bill und Fajó stellen gemeinsam in Zürich in der Galerie Ost West aus. Im Jahre 1998 läßt Fajó im "Binder Studio" in Ingolstadt vier großformatige Chromstahlplastiken von Bill ausführen.

1986 Tod der Mutter. Fajó ist wie gelähmt, alles fällt ihm aus der Hand. Er stürzt von der Leiter, bricht sich die linke Hand an mehreren Stellen. Es vergeht ein Jahr, bis er wieder gesund ist und arbeiten kann.

1987 Während der gemeinsamen Tätigkeit an den Mappen entsteht ein enges Arbeitsverhältnis zwischen Vasarely und Fajó.

1988 Fajó verläßt den Ausstellungsraum in der Josefstadt, weil die Verwaltung seine Tätigkeit behindert.

1989 Kauf des Hauses in der Kövér Lajos Straße. Er erneuert und erweitert es, auch das Pesti Mühely findet hier ein neues Zuhause.

1990 Die Freie Schule von Telkibánya zieht zuerst nach Gönc, später nach Encs um; sie wird von einer privaten Vereinigung getragen und arbeitet ab 1994 in Szerencs.

1991 Fajó wird an die Akademie für Angewandte Kunst in Budapest berufen.

1992 Bekanntschaft mit dem Metallindustriellen K.F. Binder. Das "Binder Studio" in Ingolstadt wird gegründet.

1992-97 Intensive Beschäftigung mit Bildhauerei. Fajó stellt zahlreiche Kleinplastiken aus Marmor, Metall, Holz und Plexiglas her, die international Anerkennung finden. Mit Hilfe moderner Industrietechnologien entstehen großformatige Metallplastiken, die erstmals von der Firma Binder in Deutschland und später auch in Ungarn hergestellt werden.

Zusammengestellt von Ágnes Hajós


"Während seiner ganzen Laufbahn hat Fajó mit seinen Äußerungen, Schriften, seiner pädagogischen Tätigkeit, seinen unerlaubten Publikationen, Ausstellungen und seinem Lebenswerk konsequent für die Achtung des schaffenden Menschen und des Individuums gekämpft. Er sah dies als wichtigsten Wert des Menschen im Kampf gegen Bürokratie und Macht."


Éva Bányász